1. Akkordeon-Orchester Pfeddersheim e. V.



"Tango Nuevo" in der Kirche

In letzter Zeit war es um das 1. Akkordeon-Orchester Pfeddersheim etwas still geworden. Am vergangenen Sonntag meldete sich das Ensemble mit einem Konzert in der evangelischen Kirche zurück. Es schien so, als ob die Pfeddersheimer auf einen Auftritt des Orchesters gewartet hätten: Selten konnten bei einem Kirchenkonzert des Vereines so viele Zuhörer begrüßt werden, wie in diesem Jahr. Und diese wurden auch nicht enttäuscht.
Im ersten Teil der Veranstaltung waren Bearbeitungen aus der Welt der Klassik, Oper und Operette zu hören. Das Vorspiel zu Verdis Oper „La Traviata“ oder das romantische Walzerduett „Komm mit mir ins Chambre séparée“ wurden vom Orchester schon oft gespielt und werden vom treuen Publikum auch immer wieder gerne gehört.
Im zweiten Teil wagte sich das Orchester auf neues Terrain und widmete sich einem Genre, das für Akkordeon geradezu prädestiniert ist – der Tangomusik. Mit Originalkompositionen für Akkordeon-Orchester von Heinz Ehme und Rudolf Würthner blieb man zunächst noch beim traditionellen europäischen Tango. Danach ging es zum „Tango Nuevo“, einer Musik, die nicht mehr zum Tanzen, sondern als eine ganz eigene Kunstform für die Konzertbühne gedacht ist. Untrennbar verbunden ist diese Art des Tangos mit Astor Piazzolla, ein Wanderer zwischen den Welten der Klassik, des Jazz und der ursprünglichsten Musik seiner argentinischen Heimat. In der Urfassung erhebt sich in „Oblivion“ über dem Klangteppich der Streicher das Solo des Bandoneons, jener argentinischen Form von Akkordeon, das Piazzollas ureigenstes Instrument war. Aber wie das Akkordeon-Orchester Pfeddersheim unter Beweis stellte, hat dieses Werk auch seinen Reiz, wenn es mit Akkordeons anstatt Bandoneons gespielt wird. Hier konnte der Solist Gunter Weigand brillieren. Auch mit dem voller Temperament und Leidenschaft vorgetragenen „Tango pour Claude“ des von Piazzolla beeinflussten Richard Galliano blieb das Ensemble bei dieser Form des Tangos. Lang anhaltender Beifall mit stehenden Ovationen zeigte, dass diese neuen Klänge des Orchesters beim Publikum sehr gut ankamen. Neu war auch, dass das Ensemble zum ersten Mal ohne Dirigent musizierte, doch Konzertmeisterin Dagmar Bayer schaffte es souverän, das Orchester zu leiten.
Zum Abschluss dankte die Erste Vorsitzende des Akkordeon-Orchesters, Petra Reiß, Vikarin Vanessa Bührmann für ihre charmante Moderation. Auch der evangelische Kindergarten darf sich freuen, denn diesem stellt der Verein die Kollekte des Abends zur Verfügung.